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Eine intellektuelle Reise durch die Schweiz  
Freitag, 18. Juli 2008

 

 

Die Sommerakademie «Tableau de la Suisse» verbindet dieses Jahr Neuchâtel und Appenzell Innerrhoden

Appenzell. Die Schweizerische Studienstiftung und die Sophie-und-Karl-Binding-Stiftung wollen mit der Sommerakademie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine neue Sicht auf die Demokratie in der Schweiz vermitteln.

Viele Schweizer verweisen mit Stolz auf ihre direkte Demokratie, heisst es in der Pressemitteilung der Schweizerischen Studienstiftung. Dabei reden sie, als ob es die Demokratie schon immer gegeben hätte, in der immer gleichen, einzigartigen Form, gleichbedeutend mit einer ewigen und geeinten Schweiz.

Die Sommerakademie «Tableau de la Suisse – eine intellektuelle Reise durch die Schweiz» will den 21 Teilnehmenden aus allen Schweizer Landesteilen eine neue Sicht auf die Demokratie in der Schweiz vermitteln. Morgen Samstag präsentieren die Studierenden im Romantik Hotel Säntis in Appenzell ihre gewonnenen Erkenntnisse und diskutieren diese mit dem Ausserrhoder Ständerat Hans Altherr.

Kontraste vereinen

Seit 2007 organisiert die Schweizerische Studienstiftung alljährlich in Zusammenarbeit mit der Sophie-und-Karl-Binding-Stiftung die Sommerakademie. Seminare und persönliche Begegnungen in zwei sich kontrastierenden Schweizer Orten sollen Brücken schlagen zwischen den verschiedenen Regionen der Schweiz. Die Regionen divergieren sowohl in der Sprache, der Religion und der Geographie als auch im sozialen Kontext. Ziel sei es, die teilnehmenden jungen Talente zum interregionalen Dialog anzuregen und das Bewusstsein für den Wert einer vielfältigen und trotzdem geeinten Schweiz zu wecken, heisst es weiter in der Pressemitteilung der Studienstiftung. Mit Neuchâtel und Appenzell Innerrhoden wurden zwei Kantone gewählt, die sich in Bezug auf ihre Traditionen und die demokratischen Institutionen stark unterscheiden. Einer der auffälligsten Unterschiede ist dabei sicher die direktdemokratische Institution der Innerrhoder Landsgemeinde. In Seminaren und Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kunst werden die Studierenden über die Vielfalt und die Wandelbarkeit der Demokratie in der Schweiz diskutieren. Dabei werden auch die historischen und theoretischen Grundlagen sowie die Grenzen der Demokratie im Rahmen der internationalen Abkommen und der Grundrechte erörtert.

Förderung von Talenten

Die Schweizerische Studienstiftung fördert seit 1992 an Schweizer Hoch- und Fachhochschulen leistungsstarke, breit interessierte Studierende, deren Persönlichkeit, Kreativität und intellektuelle Fähigkeiten besondere Leistungen erwarten lassen. Sie bietet ihren Mitgliedern studienergänzende Bildungsangebote, finanzielle Unterstützung und individuelle Betreuung und Beratung. Derzeit profitieren 500 Personen von diesem Förderprogramm.

Die Sommerakademie «Tableau de la Suisse – eine intellektuelle Reise durch die Schweiz» findet im Rahmen des Programms «Univers Suisse» der Studienstiftung und der Sophie-und-Karl Binding-Stiftung statt. «Univers Suisse» möchte das Bewusstsein für den Wert einer vielfältigen und trotzdem geeinten Schweiz schärfen. (pd/red.)

Der Vortrag von Ständerat Hans Altherr und die nachfolgenden Referate der Studierenden sind öffentlich. Der Anlass dauert von 9.30 Uhr bis 13 Uhr und findet im Romantik Hotel Säntis statt.

 

Zur Wiedereinführung der Landsgemeinde

Gestern abend fand im Hotel Kaubad, wo die Teilnehmenden logieren, eine Diskussion rund um die Wiedereinführung der Landsgemeinde in Appenzell Ausserrhoden statt. Grundlage bildete eine Seminararbeit, die Patrik Louis, Stein, Student der Jurisprudenz an der Uni St. Gallen, 2007 geschrieben hat und die die rechtlichen Rahmenbedingungen bei einer allfälligen Wiedereinführung thematisiert.

Eine Kombination

Patrik Louis schlägt vor, die Landsgemeinde mit den alternativen Stimmmöglichkeiten (Urnen- und Briefwahl) zu kombinieren. Er schreibt dazu: «Die Stimmabgabe an der Urne oder per Briefwahl endet zum Beispiel am Vorabend der Landsgemeinde. Diese Stimmen werden bis zum Beginn der Landsgemeinde ausgezählt. An der Landsgemeinde werden dann unmittelbar nach jeder Abstimmung die jeweiligen <externen> Stimmen zum Ergebnis hinzugezählt. Damit wissen die Landsgemeindeteilnehmer sofort, ob sie etwas angenommen oder abgelehnt haben. Eine doppelte Stimmabgabe wird verunmöglicht, da jeder Stimmberechtigte nur einen Stimmrechtsausweis hat und diesen bei seiner Stimmabgabe aushändigen muss.»

Rechtliche Mängel eliminiert

Damit bleibe die Landsgemeinde auf unkomplizierte Weise in ihrer traditionellen Form und mit voller Kompetenz unangetastet, gleichzeitig seien aber sämtliche rechtlichen Mängel eliminiert, erläutert Patrik Louis. Es sei heute allgemein anerkannte Praxis, dass die Stimmabgabe an der Urne oder brieflich erfolge, der Stimmberechtigte könne also jederzeit auswählen. «Der Stimmberechtigte kann dadurch auch selbständig auf die geheime Stimmabgabe verzichten, da der Staat weder bei der brieflichen noch bei einer (allfälligen) elektronischen Stimmabgabe die Geheimhaltung des Wahlaktes garantieren kann. Bei der Stimmabgabe wäre die Landsgemeinde mit den anderen Stimmabgabeformen gleichberechtigt. Das, so Patrik Louis in seiner Arbeit, erhalte die überragende politische Stellung der Landsgemeinde oder stärke sie sogar noch, da sie weiterhin der einzige Ort wäre, an dem alle Stimmen zusammenkommen. Diese Lösung sei politisch ohne grosse Widerstände durchsetzbar, zudem habe jeder die Möglichkeit, seine Stimme in der Form abzugeben, die ihm am besten entspreche.

«Widerspruch wäre gelöst»

«Der bisher unlösbar scheinende Widerspruch zwischen direkter Demokratie und elementaren rechtsstaatlichen Grundsätzen wäre damit gelöst», schreibt Patrik Louis und gibt zu bedenken, dass Appenzell Ausserrhoden mit dieser Form eine Pionierstellung erhalten und Vorbild für eine neue Stufe der politischen Beteiligung sein würde. (eg)